Flugzeugentführungs-Geschichten in der U-Bahn

Sonntag, Januar 17, 2016

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Hiermit präsentiere ich euch eine weitere neue Kolumnen-Reihe, Großstadtgeschichten. Wie einige von euch bereits mitbekommen haben dürften, bin ich im letzten Jahr nach meinem Schulabschluss ausgezogen und wohne nun mit meinem Freund in Wien. Dass einem in einer Stadt dieser Größe so einiges widerfährt, liegt da klarerweise auf der Hand und man kommt schon fast nicht darum herum, das eine oder andere schriftlich festzuhalten.

Über das heutige Erlebnis wollte ich bereits vor einiger Zeit schreiben, allerdings fehlte mir damals noch das richtige Format für diesen Text, das nun, da ich mit Kolumnen begonnen habe, endlich gefunden ist. Ein Zeitsprung in das vergangene Frühjahr: Zu dieser Zeit wohnte ich noch nicht in Wien, verbrachte aber bereits regelmäßig Wochenenden in der Wohnung meines Freundes (und in meiner zu dieser Zeit noch zukünftigen Wohnung). Besonders wenn ein Konzert anstand, nutzte ich diese Gelegenheit natürlich gerne, da ich so weniger Zeit für die Anfahrt miteinbeziehen musste. So machte ich mich eines Abends auf den Weg zur U-Bahn, um wieder für ein paar Stunden in die Welt der Livemusik einzutauchen. Die Fahrt zur angesteuerten Location nimmt immer etwas Zeit in Anspruch, geht aber meistens relativ schnell vorbei, da ich ohnehin meinen Gedanken nachhänge. So auch an diesem Abend. Diesmal war ich allerdings nicht ganz so in Gedanken versunken wie sonst und nahm somit meine Umgebung etwas deutlicher wahr.
Die Stationen zogen ohne größere Vorkommnisse an mir vorbei, doch plötzlich stockte ich. Hatte ich da gerade die Worte "Flugzeug" und "Entführung" gehört? Durch die allgemeine Lautstärke und das besonders laute Geplapper einer höchst aufgetakelten Dame versuchte ich, die Stimme wiederzufinden, was mir auch tatsächlich gelang. Ja, die männliche Stimme erzählte tatsächlich von einer Flugzeugentführung. In der Ich-Perspektive. Moment... was?! Gebannt lauschte ich weiter. Ich hatte mich nicht verhört, der Mann erzählte eindeutig davon, wie er vor vielen Jahren eine Flugzeugentführung hautnah miterlebt hatte, als Passagier in besagtem Flugzeug. Ab diesem Zeitpunkt versuchte ich, so viel wie möglich von dieser Schilderung mitzubekommen, was angesichts der bereits erwähnten Lautstärke aber leider stellenweise sehr schwierig war.

Als schließlich meine Station, bei der ich aussteigen musste, aufgerufen wurde und ich auf den Bahnsteig hinaus trat, versuchte ich noch schnell, einen kurzen Blick auf den Protagonisten dieser Geschichte zu erhaschen, doch die U-Bahn setzte sich schon wieder in Bewegung und fuhr weiter. Auch heute denke ich noch von Zeit zu Zeit über dieses Erlebnis nach. Stimmte diese Geschichte tatsächlich? Wie ging es aus? Was für ein Mensch erzählte sie? Leider werde ich auf all diese Fragen keine Antworten bekommen, doch an diesem Abend fuhr ich etwas lieber mit der U-Bahn als sonst.

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2 Kommentare

  1. Ich finde Zuggespräche/Busgespräche auch immer so spannend! Okay, manchmal nerven sie ganz schön, aber wenn die Leute was spannendes erzählen, höre ich ganz gerne hin und würde manchmal am liebsten nachfragen :D

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  2. Ich finde es oft auch ganz spannend... leider stört mich der immense Lärmpegel und das Telefonieren oft. Ich hab' in seltenen Fällen sogar schon selbst mal ein Wort zur Unterhaltung eingeworfen!

    Naja, es wurden ja in den 70ern schon ein paar Flugzeuge entführt - gut möglich, dass da heute wieder öfter darüber geredet wird! Bei der letzten hat ein halbverrückter Passagier auch noch grinsend ein Selfie mit dem Entführer gemacht... arg!

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