Konzert | Soulfly, 21.02.2016

Dienstag, Februar 23, 2016


Ein starker böiger Wind fegte bereits den ganzen Tag über durch die Straßen Wiens, was sich auch gegen Abend nicht bessern sollte. Im Gegenteil, in den frühen Abendstunden wurde es sogar noch schlimmer, zumindest wenn man sich im 11. Wiener Bezirk in der Szene befand. Dort hatten sich an diesem sonntäglichen Abend nämlich Soulfly und Support für ein Konzert eingefunden.

Die Band um den augenscheinlich niemals schlafenden und immer-eifrigen Max Cavalera hatte für diesen Abend gleich drei Acts zur Unterstützung mitgebracht. Das straffe Programm fand seinen Anfang um 20:00 Uhr mit Lody Kong um Zyon und Igor Cavalera, den Sprösslingen von Max Cavalera. Als die Sludge Band aus Phoenix, Arizona, zu wüten begann, war der Saal schon erstaunlich gut gefüllt, was sich mitunter wohl auf die Tatsache zurückführen ließ, dass die Szene an diesem Abend restlos ausverkauft war. Das Quintett bot eigentlich genügend Aufwärm-Möglichkeiten für Mosher und Headbanger, allerdings wollte das Publikum noch nicht so richtig in die Gänge kommen. War wohl doch noch etwas zu früh für übermäßige Bewegungsfreude und so blieb es bei vereinzelten Headbangern und Applaus zwischen den Songs. Zum Glück ließ sich die Band davon aber nicht weiter beeindrucken und gab trotzdem Vollgas, besonders Bassist Shanks ließ kaum eine Körper- oder Gesichtsverrenkung aus. Zugegeben, bei kurzem Vorab-Anhören auf Facebook war ich nicht sonderlich angetan, live überzeugten mich Lody Kong dafür umso mehr. Das dürfte auch der Großteil des Publikums ähnlich gesehen haben, verabschiedet wurde die Band jedenfalls mit warmem Applaus.

Der nächste Schwung Maximum Cavalera sollte auf dem Fuße folgen, der darauffolgende Anheizer waren nämlich Incite um Max Cavaleras Stiefsohn Richie. Die Position im Line-Up hatte mich bereits vorab etwas irritiert, hatte ich die Band eigentlich auf der Co-Headliner Position erwartet. Aber sei's drum. Ganz nach der Devise "Nicht quatschen, machen" legte der Vierer um 20:40 Uhr ohne weitere Umschweife los, Frontmann und Rampensau Richie bediente sich auch zwischen den Songs eher kurzen Ansagen und so rückte der Fokus gänzlich auf modernen Thrash Metal vom Feinsten. Auch Incite boten einige Möglichkeiten, die Nackenmuskeln allmählich aufzuwärmen, die auch von einigen Fans genutzt wurden. Beim letzten Song, Army Of Darkness, kam es nach Aufforderung von Richie auch noch zu einem kleinen Circle Pit, ehe der Gig nach nur 30 Minuten schon wieder vorbei war. Die Zeit verging wie im Flug und ich hätte gerne noch ein paar mehr Songs gehört. Da der Auftritt aber ohnehin erst der zweite auf österreichischem Boden war, bin ich zuversichtlich, das Quartett bald wieder live sehen zu können.


Vor bzw. während dem Auftritt von King Parrot lichteten sich die Zuschauerreihen wieder etwas. Verwunderlich war das nicht, denn der Sound, den die Australier fabrizieren, ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Ungeübte würden das Schaffen der Band wohl schlicht als "Lärm" bezeichnen und auch Genre-Fetischisten kommen bei der korrekten musikalischen Einordnung schnell ins Straucheln. Tatsächlich handelt es sich beim Sound von King Parrot um einen Mix aus Thrash Metal, Grindcore, Sludge Metal und Hardcore Punk, untermalt mit der schrillen Stimme von Frontmann Matthew "Youngy" Young und garniert mit schrägem und, zugegeben, etwas eigenwilligem Humor, der die Band auszeichnet und für den sie von ihren Fans geliebt werden. Zu eigenwilliger Musik braucht es natürlich auch das passende Auftreten. So kamen Bassist Matthew "Slatts" Slattery und Frontmann Youngy direkt ohne Shirt auf die Bühne und Gitarrist Andrew "Squiz" Livingstone-Squires kam zwar mit Shirt, dafür aber ohne Hose. Als einzige Beinbekleidung sollte die dunkle Boxershorts ausreichen.
Ober-Spaßvogel und vermutlich die schrägste Person des Abends war aber selbstredend Frontmann Youngy, der nicht nur grimassenschneidend über die Bühne jagte, sondern auch regelmäßig Flaschen und Becher (natürlich mit Inhalt) ins Publikum schmiss und das ein oder andere Mal die Hose runterließ, um dem Publikum seinen Allerwertesten zu präsentieren. Bei einigen wilden Gestikulationen erinnerte er mich sogar an Knorkator-Chef Stumpen. Wurden King Parrot anfänglich noch mit Skepsis beäugt, konnten sie während dem etwa 40-minütigen Gig aber den ein oder anderen Konzertbesucher auf ihre Seite ziehen. Je mehr sich der Auftritt dem Ende näherte, umso lauter wurde der zustimmende Jubel und nach dem letzten Song wurden sogar Zugabe-Forderungen laut. Der Senkrecht-Start ist ihnen also definitiv auch in Europa sicher.

Danach war es langsam aber sicher Zeit, vor diejenigen zu treten, deren Ruf wir gefolgt waren: Soulfly. Bereits während der Umbauphase lag die Spannung deutlich in der Luft und auch die Soundcheck-Crew wurde bereits kräftig bejubelt. Kurz vor Beginn, der für 22:25 Uhr angesetzt war, wurde dann traditionell mit den rhythmischen "Soulfly"-Rufen begonnen, die sich in tosenden Applaus entluden, als Mastermind Max Cavalera und seine Mannen endlich die Bühne enterten. Passend zur derzeitigen "Archangel"-Tour wurde sogleich mit drei Songs des gleichnamigen Albums gestartet, die an diesem Abend jedoch nur vereinzelt zu hören waren, den Großteil der Setlist belegten nämlich einige Soulfly-Gassenhauer sowie auch das ein oder andere Cover. Daran schien sich jedoch kaum jemand zu stören, denn das Publikum ging ab der ersten Minute begeistert mit, schüttelte das Haupthaar, reckte die Teufelshörner in die Luft, grölte der Band die Textzeilen nur so entgegen und auch der ein oder andere Pit kam zustande. Das bereits früh angesetzte Sepultura-Cover Refuse/Resist sorgte erstmals für einen absoluten Höhepunkt in Sachen Stimmung, aber auch Songs wie Seek'n'Strike, Tribe oder Umbabarauma verfehlten ihre Wirkung nicht. Wer für die eher älteren Werke von Soulfly gekommen war, kam also definitiv auf seine Kosten. Mir persönlich fehlten noch ein paar der neueren Songs für einen ausgewogenen Mix aus allen Schaffensphasen, besonders auf die ein oder andere Beisteuerung aus dem 2012er-Album Enslaved wartete ich leider vergebens.
Mit dem Sepultura-Cover Roots Bloody Roots und Back To The Primitive folgte dann bereits das vermeintliche Ende, nach gerade mal einer guten Stunde Spielzeit. Natürlich kamen Soulfly aber nochmal auf die Bühne, allerdings kündigte Max Cavalera an, dass nur noch zwei Songs übrig waren. Mit dem Motörhead-Cover Ace Of Spades, mit dem dem kürzlich verstorbenen Lemmy Kilmister Tribut gezollt wurde und das nicht minder gut bei den Fans ankam, und der Quintessenz der Soulfly-Songs - natürlich Jumpdafuckup,  das nahtlos in Eye For An Eye überging - gab das Publikum dann noch ein letztes Mal alles, bevor nach nur 70 Minuten auch schon wieder das The Four Horsemen Outro ertönte und somit das Ende des Konzerts kennzeichnete.

Fazit: Auch nach fast 20 Jahren Bestehen wissen Soulfly ihre Fans immer noch zu begeistern und sie auch an einem Sonntagabend, so kurz vor einer weiteren anstrengenden Woche, auf ein Konzert zu locken, auf dem sie sich dann gerne noch so richtig auspowern. Mit nur etwa 70 Minuten Spielzeit war das Set für eine Headliner-Show aber doch recht kurz, werden heutzutage doch von manchen schon 90 Minuten als zu kurz angesehen. Ansonsten präsentierten uns Soulfly jedoch eine tadellose und mitreißende Show mit gutgewählten Support-Acts.

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