Konzert | Draconian + Omnium Gatherum, 03.03.2016

Montag, März 07, 2016


Ein bekanntes Sprichwort sagt: "Raum ist in der kleinsten Hütte". Etwas abgewandelt und auf Livemusik zugeschnitten, könnte man auch sagen "Auch im kleinsten Konzertsaal sind großartige Bands zu finden". Dies bewahrheitete sich am vergangenen Donnerstag ein Mal mehr, als Draconian und Omnium Gatherum mit Support in Wien gastierten.

Im Rahmen der ersten Ausgabe der "Towards The Unknown"-Tour waren die schwedische Gothic Metal Band Draconian und ihre Nachbarn, die finnischen Melodic Death Metaller von Omnium Gatherum, von Ende Februar bis zum gestrigen Samstag auf Co-Headliner Tour in Europa unterwegs. Mit dabei hatten sie noch zwei zusätzliche Supportbands, von denen Oceanwake aus Finnland den Anfang machten. Zunächst dachte ich, dass sich die Stagetime vielleicht nach hinten verschoben hatte, denn kurz vor dem für 19:30 Uhr angesetzten Beginn war das Auditorium vor der kleinen Bühne noch immer gähnend leer. Nur eine handvoll Leute hatten sich eingefunden, als die Band die Bühne betrat, denn tatsächlich war die Besucherzahl an nur zwei Händen abzählbar - das Barpersonal bereits miteingerechnet. Das war natürlich äußerst schade und tat mir ab dem ersten gespielten Ton noch mehr leid, denn der Mix aus Progressive Death-, Doom- und Post-Metal konnte mich durchaus überzeugen.  Frontmann Eero Haula hielt sich eher im Hintergrund und so nahmen die beiden Gitarristen und Bassist Jarkko Mäkelä die vorderen Plätze ein. Unter gingen die Vocals aber keinesfalls, sondern fügten sich wunderbar in das Gesamtkonzept, das auch ruhige, melodiöse Parts enthielt, ein.
Mit gut ausgereiften Growls und Cleangesang bot auch die stimmliche Darbietung einiges an Abwechslung. Untermalt wurde das Ganze perfekt durch eine Lichtshow, die sich in gelegentlich eingesetztem Rauch brach und dem Konzert noch eine zusätzliche atmosphärische Note bescherte. Herz, was willst du mehr? Etwas mehr Publikum vielleicht. Während dem etwas mehr als halbstündigen Gig gesellten sich zwar noch eine weitere handvoll Zuschauer in die unterste Etage der Konzertlocation, ausreichend gewürdigt wurde der Auftritt aber dennoch nicht. Schieben wir es mal auf die Uhrzeit und hoffen, dass sich alle, die erst bei den letzten Klängen dazugestoßen sind, mächtig über ihr Zuspätkommen geärgert haben.

Für den nächsten Act wagte sich das Publikum dann bis unmittelbar vor die Bühne. Year Of The Goat durften sich nicht nur über ein weit besser gefülltes Auditorium freuen, sondern auch um einige offenkundige Fans. Der Auftritt in Budapest am Tag davor musste aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden, davon ließ sich die Band in Wien aber überhaupt nichts anmerken. Die schwedischen Okkult-Rocker, die seit ihrem Debüt Angel's Necropolis aus dem Jahre 2012 in aller Munde sind, präsentierten uns eine ganz andere Stilrichtung als ihre Vorgänger, denn hier konzentrierte man sich auf Hard Rock-Klänge im Stile der 70er Jahre. Optische Überraschung war für mich bereits zu Beginn Leadsänger und Gitarrist Thomas Sabbathi. Beim Anhören einzelner Songs hatte ich bereits eine Vorstellung bezüglich der Optik, die sich dann live allerdings als das komplette Gegenteil entpuppte. Doch das nur am Rande, denn Year Of The Goat zeigten sofort, dass sie nicht ohne Grund als Senkrechtstarter unterwegs sind, und brachten eine ganz besondere Atmosphäre in den Konzertraum. Der für mich interessanteste Song The Emma wurde zwar leider nicht performt, dafür fand das Set mit Riders Of Vultures von selbigem Album ein absolut geniales Ende.

Ein von Angy (@crossingjordan_) gepostetes Foto am

Omnium Gatherum - muss man über diese Band noch viele Worte verlieren? Die meisten, die sich vor allem im Melodic Death Metal-Bereich bewegen, werden die Band ohnehin längst kennen. Dieses Jahr feiern sie ihr nunmehr 20-jähriges Bestehen und beschenkten die Fans kürzlich mit einem neuen Album, das den Namen Grey Heavens trägt und von Kritikern mit Bestnoten versehen wurde. Nicht umsonst sind die Finnen eine echte Perle des Melodic Death Metal, die zu den angesehensten Bands des Genres zählt und auch live jedes Mal zu begeistern weiß. Für so manche waren Omnium Gatherum wohl der heimliche Headliner (mich mit eingeschlossen) und kurz vor 21:30 Uhr enterte die bereits mit Spannung erwartete Band endlich die Bühne, um ohne Umschweife mit The Pit aus dem neuesten Longplayer zu beginnen. Die sechs Mann umfassende Besetzung füllte die kleine Bühne ebenso ordentlich aus, davon ließen sich aber vor allem die Aushängeschilder des Dauergrinsens - Frontmann Jukka Pelkonen und Leadgitarrist  Markus Vanhala - nicht weiter einengen und zeigten unermüdlichen Einsatz. Belohnt wurden sie dafür mit einem ebenso gutgelaunten und begeisterungsfähigen Publikum, das altbekannte Nackenbrecher wie New World Shadows und The Sonic Sign ebenso gut aufnahm wie Neuveröffentlichungen á la Frontiers und das abschließende Storm Front.

Meine Theorie des heimlichen Headliners kam nicht von ungefähr, denn bei Draconian war vor allem in den hinteren Reihen wieder deutlich mehr Platz als noch Minuten zuvor. Die eingefleischten Fans der Gothic Metal-Truppe tummelten sich aber ohnehin in unmittelbarer Bühnennähe und warteten auf das Erscheinen der Schweden, das für 22:40 Uhr angesetzt war. Als die Band gerade den zweiten Song Bloodflower zum Besten gab, kam auch ich wieder zurück in den Konzertraum. Zugegeben, ich habe mit diesem Untergenre nicht sonderlich viel am Hut und auch beim Vorabhören überzeugte mich das Gehörte relativ wenig, weshalb ich auch keine allzu hohen Erwartungen hatte. Bloodflower gefiel mir allerdings recht gut, wie sich im Laufe der Setlist herausstellte, sollte es aber doch bei diesem einen Song bleiben. Fans mögen die Musik von Draconian als verträumt bezeichnen, meinem persönlichen Geschmack entsprach das aber nicht und so machte ich mich auch etwas früher wieder aus dem Staub. Allzu lange dürfte die Band aber ohnehin nicht mehr gespielt haben.

Fazit: Auch wenn der Headliner keinen besonderen Anklang bei mir fand, kann ich nur an die eingangs verwendete Redewendung anknüpfen und betonen, dass auch kleine Touren immer wieder interessante und sehenswerte Bands mit sich führen. Besonders Oceanwake möchte ich an dieser Stelle nochmal hervorheben und sie jedem, der sie bisher noch nicht gesehen hat, ans Herz legen.

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