Konzert | Steven Wilson, 21.04.2016

Montag, April 25, 2016


Steven Wilson ist vieles, aber sicher nicht innehaltend. Produzent, Toningenieur, Multi-Instrumentalist und Autodidakt sind hierbei nur ein paar Bezeichnungen, mit denen sich der britische Ausnahmekünstler schmückt. Am besten bekannt ist Steven Wilson wohl als Gründer, Sänger und Gitarrist der Progressive Rock-Band Porcupine Tree, allerdings ist er auch noch in viele andere Bandprojekte involviert. Als Produzent arbeitete Steven Wilson außerdem bereits mit Bands wie Marillion, Opeth oder Orphaned Land zusammen. Mit seinem Soloprojekt ist er seit Anfang des Jahres wieder auf Tour und konzertierte am vergangenen Donnerstag im Wiener Gasometer.

Da Steven Wilson sehr audiophil ist und seine Konzertlocations schon lange im Vorfeld penibelst nach Klang auswählt, wunderte mich die Wahl des Gasometers doch etwas, denn bekanntlich ist der Klang dort nicht selten alles andere als berauschend. Meine Theorie war daher zunächst, dass sich Wilson in Ermangelung einer geeigneten Alternative für den Gasometer entscheiden musste. Dieser Verdacht sollte sich allerdings sehr bald in Luft auflösen, denn als Steven Wilson mit Band pünktlich um 20:00 Uhr die Bühne enterte, war schnell klar, dass in Sachen Sound selbst im Gasometer nichts dem Zufall überlassen wurde. Nicht nur klanglich, sondern auch visuell wurde von Beginn an ein top Auftritt geboten. Im ersten Akt gab der britische Ausnahmekünstler sein im letzten Jahr erschienenes und bisher erfolgreichstes Werk Hand.Cannot.Erase - das die tragische Geschichte von Joyce Carol Vincents, die drei Jahre lang unbemerkt tot in ihrer Wohnung lag - gänzlich zum Besten. Besondere Highlights waren hier vor allem der gleichnamige Titelsong sowie Routine - einer von Wilsons persönlichen Favoriten, die an diesem Abend passend mit Projektionen sowie vereinzelten Kurzfilmen untermalt wurden. So konnte es durchaus schon mal vorkommen, dem Treiben auf der Bühne minutenlang nur zweitrangig Beachtung zu schenken und gebannt dem Geschehen auf der Leinwand zu folgen. Noch stimmiger hätte es tatsächlich nur im Beisein der israelischen Gastsängerin Ninet Tayeb werden können, die aufgrund ihrer eigenen Solotour an diesem Abend allerdings leider verhindert war. Aber auch sonst bot das musikalische Treiben auf der Bühne einiges an Abwechslung, da man zusätzlich gleich zwei neue Bandmitglieder - Dave Kilminster an der Gitarre und Craig Blundell am Schlagzeug - begutachten, sowie Steven Wilson selbst beim stetig wechselnden Gebrauch seiner Instrumente zusehen konnte.

Driftete man dann aber doch mal wieder zur Leinwand ab, wurde den Künstlern die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums - das an diesem Abend, ganz untypisch für ein Wilson-Konzert, stehen musste - dann aber spätestens bei den kurzen eingelegten Plauderpausen wieder zuteil. Diese zeigten sich äußerst gut aufgelegt und Bandkopf Wilson wusste seine Gäste trotz trauriger Nachricht über den Tod von Popikone Prince bestens zu unterhalten und mit viel Witz zu erheitern. Mit Ascendant Here On... fand der erste Teil des Sets schließlich sein Ende und die Band verabschiedete sich in die etwa 20-minütige Pause. Der zweite Akt wurde dann um einiges düsterer. Erholt und - im Falle von Steven Wilson - frisch umgezogen begann man den nächsten Part, der Porcupine Tree-Songs wie den Opener Dark Matter, Lazarus oder Don't Hate Me sowie Neuveröffentlichungen des Minialbums enthielt. Mit dem Beginn von Vermillioncore wurde ein transparenter Schleier hinuntergelassen, der auch zum darauffolgenden Übersong Sleep Together seine Wirkung nicht verfehlte und nochmal zusätzlich für eine besondere Atmosphäre sorgte, ganz nach dem Motto "Simpel, aber effektiv". Die zweieinhalbstündige Show fand schließlich mit zwei sehr sympathischen Cover-Darbietungen von Prince- und David Bowie-Songs sowie der wohl ohrwurmlastigsten Porcupine Tree-Darbietung, The Sound Of Muzak, sein Ende. Ein letztes kurzes Geplauder, ein letzter Song und dann wurde es auch schon wieder Zeit für die lautstarke Verabschiedung, ehe die Band den Rückzug von der Bühne antrat.

Fazit: Nicht nur mit einer seiner Bands, auch mit seinem Soloprojekt heimst Steven Wilson nun immer mehr Erfolge ein. Eine stimmungsvolle Lichtshow zu düsteren Songs dürfen da ebenso wenig fehlen wie Bandmitglieder, die dem Prog-Mastermind in Sachen Instrumenten-Beherrschung in nichts nachstehen.

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1 Kommentare

  1. Toller Bericht! Ich liebe Steven Wilson, konnte ihn aber leider noch nie live sehen. :(

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