"Schreiben ist doch keine Arbeit"

Montag, April 18, 2016


All jene, die sich mit dem Verfassen von Texten auseinandersetzen und damit sogar ihr Geld verdienen, werden diese Aussage wohl bereits das ein oder andere Mal, wenn nicht sogar in regelmäßigen Abständen von ihren Mitmenschen gehört haben. Doch woher rührt eigentlich diese geringe Wertschätzung des geschriebenen Wortes? Was meine Erfahrungswerte betrifft, spielt - wenig überraschend - oft die schlichte Unwissenheit eine ganz große Rolle. Wer es nicht selbst ausübt, weiß es einfach nicht besser und verlässt sich oft auf die persönliche Einschätzung, die - wie könnte es auch anders sein - oft schrecklich geringschätzig ausfällt. Natürlich, so ein Artikel kann auch durchaus in 30 Minuten oder sogar darunter geschrieben sein. Darüber, wie hochwertig das Geschriebene letztendlich ist, darf allerdings debattiert werden.
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"Was ist daran bitte Arbeit?
Die paar Sätze sind doch schnell geschrieben. "
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Ein paar Beispiele: In den vergangenen Wochen hatte ich in meiner hauptberuflichen Tätigkeit relativ viel Stress, musste viele Überstunden machen und verbrachte viel Zeit in der Arbeit. Da kann es natürlich auch mal zu Terminkollisionen kommen und so fuhr ich auch mal nach einem sehr langen und sehr anstrengenden Arbeitstag direkt weiter zu einem Konzert. Ich genoss also einen über 16 Stunden umfassenden Arbeitstag, denn ja, auch am Konzert ging die Arbeit weiter. Je nach Grad der Akkreditierung werden Fotos gemacht, Interviews geführt und/oder ein ausführliches Review zum Abend verfasst. Das beinhaltet dann natürlich auch noch reichlich Nacharbeit. Unbeteiligte vergessen dies aber ganz gerne mal und so ist es nicht selten, dass man Dinge wie "Na, stehst du wieder mal auf der Gästeliste?" zu hören bekommt. Erst wenn man darüber aufklärt, dass so ein mit Presse-Akkreditierung besuchtes Konzert oder Festival Vor-, Nach- und natürlich Arbeit währenddessen beinhaltet, kommen ehrlich erstaunte Aussagen wie "Wow, das habe ich gar nicht gewusst" oder "Ich hätte ja nie gedacht, dass das so viel Aufwand ist!".

Etwas mehr Wertschätzung erfuhr ich dann schon, als ich Worte wie "Redaktionsschluss beim Printmagazin" fallen ließ. Da die Deadline kurz bevor stand und ich infolgedessen ebenso noch einiges zu erledigen hatte, blieb auch der Blog wieder etwas mehr auf der Strecke und ich kanalisierte meine Kreativität weitestgehend in die Printartikel. Offenbar ist man sich bei "klassischer Magazinarbeit" des Aufwandes dann auch etwas mehr bewusst. Was man von der Blogosphäre nicht gerade behaupten kann, wie einige Blogger nur zu gut wissen dürften. Das Stichwort "Kooperationsanfrage" sollte hierbei ausreichen, denn immerhin gibt es schon einige Posts zu diesem Thema. Einem Thema, das mich allerdings (zum Glück?) kaum betrifft, da ich selten Kooperationen eingehe. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, denn es wird vermutlich nicht allzu lange dauern, bis ich zum nächsten Mal zu hören bekomme: "Schreiben ist doch wohl kaum Arbeit!"

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1 Kommentare

  1. Als ich deine Überschrift gelesen habe, ist sofort mein Puls gestiegen. Ich schreibe auch hauptberuflich - und manchmal arbeitet man tage- bis wochenlang an einem Artikel, vor allem, wenn in ihm viel Rechercheleistung steckt und man komplexe Statistiken hinterfragen muss. Und dann muss man sich als Lügenpresse beschimpfen lassen... Aber vielleicht ist es einfach so: Dinge, die man von innen nicht kennt, kann man von außen nicht beurteilen. Das gilt vermutlich für jede Art von Arbeit. Und generell für alles.
    Liebe Grüße

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