Nova Rock 2016 - Meine Highlights

Samstag, Juni 25, 2016


Traditionen soll man bekanntlich wahren, und so machte ich mich vor rund zwei Wochen zum mittlerweile siebten Mal auf in Richtung Nickelsdorf, um der nunmehr zwölften Ausgabe des Nova Rock Festivals beizuwohnen. Auch in diesem Jahr hatten sich Veranstalter Ewald Tatar und sein Team einige Neuerungen überlegt; so wurde zum Beispiel bereits am Anreisetag ab 16:00 Uhr die Blue Stage bespielt, wo mich zu späterer Stunde bereits mein erstes kleines Highlight erwarten sollte.

Donnerstag

Mit jeder Menge Motivation, die sofort auf das begeisterte Publikum übersprang, und sämtlichen Hits im Gepäck, wurde bei Billy Talent von Anfang an ordentlich Gas gegeben. Selbst der seit Nachmittag immer wieder einsetzende leichte Regen tat der aufgeheizten Stimmung absolut keinen Abbruch und es wurde fröhlich weiter gefeiert. Die Vorfreude auf das kommende Album Afraid Of Heights, das diesen Sommer erscheint, konnte mit diesem Konzert sicher bei einigen Fans steigen und auch der nächste Livetermin ist nicht mehr fern: Für die kommende Promo-Tour der neuen Platte stehen unter anderem drei Österreich-Termine fest.

Freitag

Atreyu um 15:50 Uhr entpuppten sich als Überraschung sowie erstes und rückblickend einziges Highlight an diesem Tag. Eine motivierte Band, deren Energie sich auch umgehend auf die in Scharen gekommenen Fans übertrug, und ein paar Songs, zu denen es sich gut moshen ließ - mehr brauchte es für die erste ausgelassene Nachmittagssause nicht. Das Bon Jovi-Cover You Give Love A Bad Name war dann das Stimmungs-Tüpfelchen auf dem I und Do You Know Who You Are? saß noch Tage später hartnäckig in meinen Gehirnwindungen.

Samstag

Nach einem Besuch beim Brandwagen ging es Richtung Blue Stage, wo Caliban um kurz nach 17:00 Uhr vor weniger Publikum als gedacht mit ihrem Set begannen. Mittlerweile habe ich die deutschen Metalcore-Größen schon oft genug gesehen, um genau zu wissen, was mich erwarten würde: Ein sympathisches Auftreten, ausgezeichnete stimmliche Darbietungen und jede Menge Hits, die vor allem im ersten Wavebreaker für reichlich Moshpit-Action sorgten.  Als sich das Konzert immer mehr dem Ende zuneigte, kehrte ich der Blue Stage wieder den Rücken und machte mich auf den Weg zurück, um mir das bereits begonnene Set einer anderen Band anzusehen, die sich allerdings leider als kleine Enttäuschung denn als kleines Highlight entpuppte.

Sonntag

Nach dem düsteren, aber doch eher ruhiger verlaufenden Gig von Behemoth, kam mit Killswitch Engage um 18:00 Uhr erstmals einiges an Energie ins Spiel bzw. in das Publikum. Unabkömmliche Evergreens wie Rose Of Sharyn und My Curse sowie neuere Hits á la In Due Time verfehlten ihre Wirkung nicht und sorgten für gute Stimmung und reichlich Moshpits. Einzig Leadgitarrist Adam Dutkiewicz fiel mit geschmacklosen Witzen und der übertrieben häufigen Benutzung seines Lieblingswortes "Fuck" wieder einmal unangenehm auf, doch das sind wohl Eigenarten, die man ihm ohnehin nicht mehr abgewöhnen kann.

Nachdem der Freund auf eine Runde mit dem Riesenrad bestanden hatte, um die Aussicht zu genießen, ging es kurz vor 21:00 Uhr zur Blue Stage, um den Deftones einen Besuch abzustatten. Zugegeben, bei einer Band wie dieser scheiden sich die Geister immer wieder und so war es nicht unbedingt verwunderlich, dass für einen Blue Stage-Co Headliner etwas weniger los war als gewohnt. Fans und Interessierte konnte die Band aus Kalifornien aber auf jeden Fall begeistern. So auch mich, denn die ruhigeren wie auch die härteren Passagen wussten gleichermaßen zu überzeugen und es war eine wahre Freude, den Herren beim Spielen zuzusehen. Allzu lange konnte ich mich jedoch leider nicht aufhalten, da auf der Red Stage bereits ein ganz besonderes Konzert auf mich wartete. Dem nächsten Mal Deftones fiebere ich aber jetzt schon entgegen!

Twisted Sister
Forty And Fuck It - so lauten Tourname und Motto der Glam-Legenden Twisted Sister derzeit. Nach 40 Jahren Bandbestehen segelt die Band ihrem Ende entgegen und sagt auf der derzeitigen Tour ihren Fans ein letztes Mal alles andere als leise Servus. Die Herren hatten zu diesem Anlass ein wahres Hit-Potpourri mitgebracht, legten noch dazu eine Energie an den Tag, die einige Konzertbesucher nur so staunen ließ, und sorgten so wohl für die fetzigste Show des Festivalwochenendes. Frontmann Dee Snider ließ es sich bei all dem Spaß aber auch nicht nehmen, noch ein paar ernstere Töne anzuschlagen. So gab es zahlreiche Dankesreden an Künstler wie Black Sabbath oder Judas Priest, auch die schrecklichen Vorfälle in Orlando kamen zur Sprache und der Überhit We're Not Gonna Take It wurde kurzerhand zur Kampfansage gegen die politische Situation erklärt. Von den zahlreichen Hits und den leidenschaftlichen Ansagen von Dee Snider ordentlich angestachelt, gab das Publikum dann nur zu gerne nochmal alles. Nach dem Abschluss-Doppel I Wanna Rock und S.M.F. kam es, wie es kommen musste: Der unausweichliche Abschied stand bevor, der nicht nur dem Publikum, sondern auch der Band sichtlich schwer fiel.

Gefloppter Abschluss

Wie sich bald darauf herausstellen sollte, waren Twister Sister für die meisten der eigentliche Festival-Headliner - und das aus gutem Grund. Die Red Hot Chili Peppers, die für einen fulminanten Festivalabschluss gebucht wurden, schafften es eher, das bis ganz nach hinten gefüllte Kern-Areal leer zu spielen, als den Zuschauern richtig einzuheizen. Keine Interaktion mit dem Publikum, einige Patzer - selbst bei oft gespielten Hits wie Dani California - und eine sehr zurückhaltende Stimmung veranlassten mich und viele andere zum baldigen Rückzug, um das Gepäck zu schultern und die Heimreise anzutreten.

Fazit

Auch die nunmehr zwölfte Ausgabe des Nova Rock Festivals darf als gelungen betrachtet werden, allerdings sind mir heuer, im Vergleich zu vorherigen Festivalausgaben, ein paar negative Sachen aufgefallen:
Funktionierte die Reinung der Sanitäranlagen und der Dixies in den letzten Jahr bereits hervorragend, war heuer ein eindeutiger Rückschritt zu verzeichnen. Nicht nur wurden die Dixies weit seltener als z.B. im Vorjahr ausgeleert, auch bei den Sanitäranlagen neben den Bühnen hatte man oft das Problem, einige verstopft vorzufinden.
Gerade in Zeiten wie diesen sind angemessene Kontrollen auf Großveranstaltungen extrem wichtig geworden. Dass heuer so lasch kontrolliert wurde, hätte ich vor allem aus gegebenem Anlass nicht erwartet. Tasche und Kopfbedeckung wurden - zumindest zu Zeiten, zu denen ich in das Kerngelände wollte - zwar meist kontrolliert, abgetastet wurde allerdings selten. Zu Stoßzeiten wurde überhaupt nur der Besitz eines gültigen Bändchens kontrolliert, danach wurde man ohne Weiteres weiter geschickt. Einige Gäste sollen selbst mit Rucksäcken ohne größere Kontrollen hinein gekommen sein. Erschreckend, wenn man bedenkt, was da hätte passieren können.
Auch der Sound war heuer wieder ein Problem. Die unfreiwilligen Mashups, die vor allem wieder bei der Red Stage enstanden, wurden von vielen beklagt. Hoffentlich wird hierfür bald eine Lösung gefunden. Ansonsten bewährte sich das neue Gelände aber auch heuer wieder.
Das neue Cashless-System funktionierte erstaunlich gut und wenn man entsprechende Vorkehrungen trifft, muss es auch nicht passieren, von nicht ganz so ehrlichem Barpersonal übers Ohr gehauen zu werden. So verbleibe ich heuer mit ein wenig gemischten Gefühlen und hoffe, dass das Nova Rock 2017 etwas von seinem alten Glanz zurück erhält.

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