Rock in Vienna 2016

Montag, Juni 13, 2016

Rammstein | via
Im vergangenen Jahr feierte das Rock in Vienna Festival auf der Wiener Donauinsel seine Premiere, die offensichtlich zufriedenstellend genug verlief, um unsere Hauptstadt auch heuer wieder an drei Tagen mit harten Klängen zu versorgen. Natürlich kommt es bei so einer Premierenvorstellung immer wieder zu Kinderkrankheiten, doch der deutsche Veranstalter DEAG zeigte sich offen für Vorschläge und gelobte Besserung. In freudiger Erwartung auf einen gelungenen Festivalauftakt mit tollen Bands und Verbesserungen in Sachen Organisation und Festivalgelände machte ich mich also am Freitag, 03. Juni, wieder auf den Weg zur Donauinsel.

Freitag

Doch das Kutte tragende Murmeltier grüßte mich bereits am Eingang. Als ich mich zum Presse-Container aufmachte, um mir mein Ticket abzuholen, traf mich erst mal der Schlag: Die Schleusen - die sich im Vergleich zum Vorjahr überhaupt nicht verändert hatten - für Festivalpässe und Tagestickets waren brechend voll. Laut sozialer Netzwerke soll sich das auch den ganzen Nachmittag über kaum bis gar nicht gebessert haben. Bereits die erste notwendige Verbesserung, die nicht vorgenommen wurde.

Zuerst wurde die große Doppelbühne angesteuert, die heuer eine Hommage an David Bowie und Lemmy Kilmister (Soulstage) sowie Erwin Schrödinger (Mindstage) war. Erstere wurde um 15:00 Uhr mit dem ersten Act der 2016er-Ausgabe, Eisbrecher, lautstark eingeweiht. Geboten wurde ein gelungener, unterhaltsamer Auftritt, der nicht nur Fans, sondern auch eher zufällig hinzugekommene Festivalbesucher überzeugen konnte. Im Anschluss wurde die Mindstage von Pain um Mastermind Peter Tägtgren in Beschlag genommen. Fast vier Jahre waren seit dem letzten Wien-Konzert der Schweden vergangen und entsprechend freudig wurde die Band auch von den restlichen Fans erwartet. Neben der Setlist, die für Fans sämtlicher Diskographie-Epochen etwas bereithielt, war auch das durchweg sympathische Auftreten der Band eine Freude. Gegen Ende wurde der Auftritt kurzerhand zur Mini-Geburtstagsfeier erklärt, da Bandchef Peter Tägtgren sein 46. Erdenjahr feierte. Neben einem Ständchen von den Fans gab es für den sichtlich etwas peinlich berührten und verschmitzt grinsenden Peter von seiner Crew eine Torte... ins Gesicht.

Danach ging es zur Jolly Roger Stage, die in diesem Jahr neu hinzugekommen und als "Kleinkünstlerbühne" gedacht war, auf der sich heimische Bands und (in Relation) kleinere internationale Bands das Mikro in die Hand gaben. Die kalifornische Metalcore-Band Wage War hatte am Anfang musste sich anfangs zwar noch mit einem überschaubaren Publikum begnügen, verschaffte sich aber zunehmend Gehör, lockte weitere Besuchervor die Bühne und konnte sogar zu etwas Bewegung animieren. Trotz dem verspäteten Beginn von Wage War schaffte ich es noch rechtzeitig zu ein paar Songs von Anthrax, die zeitgleich auf der Soulstage Gas gaben. Neben der gewohnt guten Songauswahl wurde der Live-Darbietung von Breathing Lightning aus dem neuesten Album For All Kings allerdings aufgrund eines Patzers ein gehöriger Dämpfer verpasst: Mitten im Song entstand plötzlich ein unfreiwilliges Babymetal-Mashup, da auf der Mindstage noch letzte Hand an den Soundcheck gelegt wurde.

Generell war das gesamte Festival über beim Sound irgendwie der Wurm drin. Auch die bereits erwähnten Babymetal im Anschluss, die nach ihrem ersten Österreich-Gig im letzten Jahr zum Ort des Geschehens zurückkehrten, hatten damit zu kämpfen. Dies dürfte auch ein wenig Auswirkung auf die allgemeine Stimmung im Publikum gehabt haben, zumindest wirkte es im Vergleich zum letzten Jahr vor allem in den hinteren Reihen weniger begeisterungsfähig. Dennoch wusste die Band auch heuer wieder zu unterhalten, brachte bei Songs wie Megitsune, Gimme Chocolate!! oder Karate Bewegung auf die Bühne sowie in das Auditorium und hatte das Publikum aktiver als noch im letzten Jahr eingebunden. Nach so viel Niedlichkeit musste natürlich ein ordentliches Kontrastprogramm her, das mit den Thrash-Legenden Slayer wohl nicht besser hätte sein können. Wie es sich für einen Gig der Kalifornier gehört, war der Zuschauerbereich entsprechend gefüllt, doch auch hier war die allgemeine Stimmung nicht ganz so, wie man es ansonsten gewohnt war, was wohl ebenfalls auf die Soundprobleme zurückzuführen war. Nicht mal eine Band wie Slayer war vor dem Sound, der für so ein Konzert einfach viel zu leise daherkam, gefeit.

Beim Kontrastprogramm blieb es auch bei der nächsten und zugleich letzten Band auf der Mindstage, die statt Gitarre und Bass lieber zum Cello greift. Apocalyptica brachten zur später werdenden Stunde nicht nur einen Hauch Klassik auf die Donauinsel, sondern zeigten auch, dass das Cello noch lange kein vom Aussterben bedrohtes Instrument ist und es nicht immer das Standard-Repertoire an Instrumenten braucht, um Metal-Songs zum Besten zu geben. Mit dem Auftritt von Rammstein hätte der erste Tag am Rock in Vienna wohl nicht fulminanter enden können. Die perfekt inszenierte Show wusste zu begeistern und als die Technik bei Sonne zu versagen begann, waren Rammstein ganz Profi und zeigten sich mit einer anschließenden Akustik-Darbietung von Ohne Dich so nahbar wie vielleicht noch nie zuvor. Für das fulminante Ende mit Engel war der Strom dann aber plötzlich wieder da und so durfte man ganz verzückt ob dieser grandiosen Performance in die Nacht hinaus geschickt werden.

Biffy Clyro | via
Samstag

Auch heuer stand der Samstag wieder eher im Zeichen der Alternative-Musik und bot so eine kleine Verschnaufpause zwischen den beiden Metal-lastigen Tagen. Die erste Anlaufstelle des Tages, Black Peaks aus Brighton, zählten da ganz eindeutig zu den etwas härteren Kalibern. Am Vortag noch mit den Deftones in London vor ca. 9.000 Leuten gespielt, mussten sie am Rock in Vienna zwar mit der Jolly Roger Stage vorlieb nehmen, ihr Progressive-Post Hardcore kam allerdings gut an. Weit gediegener ging es da bei Graveyard auf der Soulstage zu, deren größtenteils ruhigen Heavy Rock-Klängen man ebenso am besten ganz entspannt im Sitzen lauschte. Da Schatten bei den großen Bühnen aber nach wie vor Mangelware war, hatten die meisten Pech und mussten dennoch in der Sonne brüten. Mit The Siren ging das Set schließlich zu Ende und Royal Republic aus Schweden wurde das Feld überlassen. Die Band brachte, wie immer schick gekleidet und Sänger Adam Grahn sogar im Anzug, aber nicht nur die Mindstage selbst zum Kochen, sondern auch das Publikum zum Tanzen.

Mit Biffy Clyro stand um kurz vor 20:00 Uhr bereits der vorletzte Act auf der Mindstage. Das schottische Trio um den mittlerweile nahezu rundum tätowierten Simon Neil brachte eine ganz besondere Stimmung auf die Insel, während die Sonne langsam am Horizont verschwand. Neben älteren Songs wie Bubbles oder The Captain durften sich die zahlreichen Fans auch über zwei neue Songs aus dem kommenden Album Ellipsis freuen. Und dann war es soweit, der Headliner, Godfather Of Punk, The Passenger betrat die Soulstage: Iggy Pop. Ganz ohne Pyro-Schnickschnack und aufwändige Kostüme zeigte die alte Lederhaut, dass sie es immer noch faustdick hinter den Ohren hat. Zwar wurden in den ersten nicht mal 20 Minuten bereits Hits wie I Wanna Be Your Dog oder Lust For Life in die Menge gefeuert, das tat der Stimmung aber keinen Abbruch und sorgte lediglich für sofortige Ausgelassenheit und Bewegung. Auch der King Of Punk persönlich hielt es schwer an einer Stelle aus und fegte unentwegt über die Bühne, während er altes Liedgut und neuere Songs seines letzten Werkes Post Punk Depression trällerte.

Das Ende des Headliner-Konzerts musste aber noch lange nicht das Ende einer noch jungen Samstagnacht markieren. Um die Feierlaune nach den Festival-Tagen weiter aufrecht zu erhalten, hat sich die Rock In Vienna-Crew heuer etwas ganz Besonderes einfallen lassen und sich mit insgesamt 30 Lokalen in Wien zusammengetan, die im Rahmen von Aftershowparties exklusive Specials und Live-Acts oder DJ-Sets zum Weiterfeiern einluden. Ein besonderes Zuckerl, wie es eben doch nur bei einem Stadtfestival möglich ist.
Gojira | via
Sonntag
Nach dem musikalisch etwas ruhigeren Samstag wurden am dritten und letzten Festivaltag nochmal schwere Geschütze aufgefahren und die am Vortag etwas zur Ruhe gekommenen Nackenmuskeln ein letztes Mal kräftig strapaziert. Nachdem Tremonti um kurz vor 14:00 Uhr die Soulstage eröffnet hatten, ging es bei Shinedown im Anschluss zum ersten Mal an diesem Tag so richtig rund. Groß war die Wiedersehensfreude und von Beginn an wurden Fäuste rhythmisch gen strahlend blauen Himmel gestreckt und wild herumgehüpft, während die Band topmotiviert alte Gassenhauer und neue Hits zum Besten gab.  Mit Zakk Wylde wurde es anschließend auf der Soulstage wieder etwas ruhiger, wenngleich nicht weniger eindrucksvoll. Da wurden die Seiten nur so zum Glühen gebracht und Zakk Wylde stellte seine Fingerfertigkeiten mit ausgedehnten Soli nur zu gerne zur Schau. Für einen Nachmittagsslot mögen das aber für so manchen etwas zu viele ausgedehnte Passagen und Gepose gewesen sein, immerhin handelte es sich um einen ohnehin schon recht kurzen Slot. Beifall wurde aber dennoch brav gezollt. The Raven Age um 16:30 Uhr konnten zwar weniger eingefleischte Fans vorweisen, dafür aber haufenweise Interessenten vor die Jolly Roger Stage locken. Das Quintett brachte feinsten Melodic Metal auf die Donauinsel und bis zum nächsten Besuch werden sicher auch ein paar mehr Fans sehnsüchtig auf den Gig der sympathischen Briten warten.

Für den kompletten Gig blieb für mich allerdings keine Zeit, da sich zeitgleich auch Gojira für ein neuerliches Konzert eingefunden hatten. Letztes Jahr noch auf der Mindstage, nahmen sie diesmal die Soulstage auseinander und mit dem Bühnenwechsel hatte sich auch die Besucherzahl geändert. Deutlich mehr Fans und Schaulustige waren diesmal im Zuschauerbereich vorzufinden, während die sympathischen Franzosen obligatorische Nackenbrecher zum Besten gaben und mit den Neuveröffentlichungen Silvera und Stranded Lust auf ihr neuestes Werk Magma machten, das am 17. Juni in die Läden kommt. Mit Kreator fand sich im Anschluss auf der Mindstage ein weiterer brachialer Publikumsmagnet ein. Mit Thrash-Riffs der Extraklasse, Bengalos und Songs wie Enemy Of God, Paranoia oder Phantom Antichrist wurde das Publikum ordentlich angestachelt, was bei ausnahmslos jedem Song zu einem Pit führte. Kreator waren schließlich die letzte Band, die ich heuer am Rock in Vienna miterlebt habe, da ich aus gesundheitlichen Gründen schon früher die Heimreise antrat.

Fazit: Auch heuer konnte das Rock in Vienna wieder einige hochkarätige Acts auf die Donauinsel holen, nach wie vor grobe organisatorische Schnitzer schmälerten das Erlebnis aber auch heuer wieder. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Veranstalter die doch recht zahlreiche Kritik der Besucher endlich zu Herzen nehmen und die entsprechenden notwendigen Änderungen vornehmen, dann sollte einem durchweg positiven Erlebnis auf der Donauinsel nämlich nichts mehr im Wege stehen.

Aufgrund Ermangelung an Zeit gibt es diesmal nur eine Kurzfassung meines ersten Open Air-Festivals in diesem Jahr. Interessierte können ausführliche Nachberichte aber unter anderem hier vorfinden.

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2 Kommentare

  1. Iggy Pop hätte ich auch gerne sehen. Der war Ende Mai auch hier in München auf einem Festival, mir war dann nur leider das Ticket etwas zu teuer :/

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    1. Am Rockavaria vermutlich, oder? Ist derselbe Veranstalter wie vom Rock in Vienna, was eventuell die hohen Preise erklärt :D

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