Wien ist anders #02

Donnerstag, Dezember 28, 2017

Von dieser Reihe habe ich mir damals versprochen, eine der regelmäßigsten auf diesem Blog zu werden. Tatsächlich habe ich es bisher sage und schreibe ein Mal geschafft, einen Beitrag zu diesem Thema zu posten. Zugegeben, manche der Zitate sind schon etwas veraltet und mir zu einer Zeit widerfahren, als ich noch einen komplett anderen Alltag hatte. Dennoch möchte ich euch diese miterlebten geistigen Ergüsse meiner Mitmenschen nicht vorenthalten. 
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"Kannst du mir mal schnell eine E-Mail tippen?"
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An sich ist diese Aussage ja nicht allzu problematisch, wenn man die Hintergründe kennt, war diese Begegnung aber doch seltsam wie witzig. Als ich noch im Einzelhandel gearbeitet habe, hatte ich es mal mit einem Kunden zu tun, der sehr gerne plauderte und mich in ein Gespräch verwickelte, das ich nicht nur aufgrund der Unsinnigkeit ungern über mich ergehen ließ, sondern auch, da ich unter Zeitdruck stand. Da der Kunde jedoch bekanntlich König ist, erledigte ich meine Arbeiten so gut es ging nebenbei, ließ mich zutexten, gab höflich an den passenden Stellen Kommentare ab und schrieb dem Herrn auf Anfrage sogar noch eine E-Mail zu einem Paar Schuhe, das er unbedingt umtauschen musste. An exakte Details kann ich mich mittlerweile leider nicht mehr erinnern, jedoch war das Ganze ziemlich langwierig und ich danach nur noch gestresster, der Herr aber zumindest dankbar, zufrieden und - am wichtigsten - zum Abmarsch bereit, jedoch nicht ohne das Versprechen, bald wieder vorbeizukommen. Engagement und Kundenservice auf ganzer Linie erfüllt! Ob sich das Prozedere gelohnt hat, habe ich jedoch leider nie erfahren, da ich einige Zeit später meinen Arbeitsplatz gewechselt habe.

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"Gehen wir zum Vapiano? Ich hab Lust auf was Deftiges."
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Möglicherweise habe ich von besagtem Restaurant einfach zu wenig Ahnung, da ich noch nie eines besucht habe (was ich mir früher zu Hype-Forschungszwecken aber sogar mal vorgenommen habe), aber ich habe noch nie gehört, dass Vapiano übermäßig deftig sein soll. Ohne nach Äußerlichkeiten gehen zu wollen, doch besagtes Mädel sah mir eher nicht nach Liebhaberin fettgetränktem Essen aus. Allerdings ist es aber natürlich möglich, dass unsere Definitionen von "deftig" weit auseinandergehen. Vielleicht habe ich sie aber auch nur missverstanden und sie hat eigentlich gemeint, sie habe Lust auf eine deftige Fotosession, um ihren Instagram-Feed mit einem weiteren Foto der Marke #foodporn zu bereichern. 

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"Es hagelt!"
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Auf den ersten Blick ist auch diese Aussage keine sonderlich spektakuläre. Besagte Szene hat sich jedoch eines Abends, als ich nach einem Konzert auf dem Weg zum Bus war, zugetragen. Drei Leute, die das Konzert wohl auch besucht hatten, machten sich ebenfalls auf den Heimweg, als es plötzlich zu schneien begann. Für mich eine hübsche Szenerie, für die Herrschaften vor mir jedoch offenbar eine mittelschwere Katastrophe. Hektisch wurden die Jacken so weit wie möglich nach oben gezippt und im selben Moment fiel von einer der männlichen Personen obige Aussage. In einer Großstadt wie Wien mag das Wetter vielleicht etwas anders sein, Schneeflocken gleich für Hagel zu halten, finde ich aber ziemlich ... stark.

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"Mama, du musst auch mal zum Zahnausreißer!"
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Dass ich diese Bemerkung überhaupt mitbekommen habe, liegt ganz sicher an der Lautstärke. Auf meine Ohrstöpsel möchte ich in der Öffentlichkeit nur selten verzichten, da ich auf das Gequatsche meiner Mitmenschen meistens gut und gerne verzichten kann. Wohl einer der Gründe, wieso diese Reihe so selten Einzug auf meinem Blog findet. Jedenfalls hörte ich oben genanntes Zitat eines Nachmittags in der Bahn auf dem Weg zu einem Treffen mit Freunden mit, als eine Mutter und ihr Sohn zustiegen. Offenbar wurde für den Kleinen kürzlich ein Zahnarzttermin ausgemacht, was ihm so missfiel, dass er seine Mutter ebenfalls zu einer solch brutalen Tortur verdonnern wollte. Hach, Kindermund!
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"In den Büchern sind viel zu wenige Bilder!"
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Wer meint, dass ich diese Aussage ebenfalls bei einem Kind aufgeschnappt habe, der irrt. Wäre dem so gewesen, hätte ich davon wohl nicht weiter Notiz genommen und dieses Zitat nicht in diesen Post mit aufgenommen. Tatsächlich stammt oben Genanntes von einer wohl Anfang 20-jährigen Studentin, die ihrer Freundin eines Tages diese Sorge in einer Buchhandlung in der Innenstadt mitteilte. Vermutlich nicht ganz ernst gemeint, dennoch wurde ich den Eindruck nicht los, dass sie es doch ziemlich bedauert, den illustrierten Kinderbüchern entwachsen zu sein. Aber wünschen wir uns nicht alle hin und wieder, nochmal Kind sein zu dürfen und die Sorgen des Alltags zu vergessen?

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